Fast alle Anbieterinnen
von Tantramassage sind Frauen. Die Ausbildung im Zinnober richtet sich auf die
berufliche Arbeit aus. Dabei ist das professionelle Eintauchen in die gebende,
aktive Rolle maßgebend.
Schon von
Beginn ermöglicht die Ausbildung, die eigene weibliche Quelle und weibliche
Autorität zu erforschen und zu festigen. Die Teilnehmerinnen spiegeln verschiedene
Aspekte des Frau-Seins, es entsteht dadurch viel Inspiration und auch eine schöne
Zusammenarbeit untereinander.
In guten Massage-Instituten wird Wert auf inspirierende und bekräfigende
Zusammenarbeit unter den Frauen gelegt. Nicht der Konkurrenzkampf wächst,
sondern ein stark unterstützendes Frauenfeld. Dieses ist das Fundament
für die professionelle tantrische Arbeit in einem Team.
2. Wie können Frauen in diesen Seminaren die männliche Intimmassage üben?
Das Zinnober Ausbildungs-Institut
verfügt über einen Freundeskreis von tantrisch erfahrenen Männern,
die während der Ausbildung zu einer Übungsmassage eingeladen werden.
3. Warum sollten sehr junge Frauen oder ältere Frauen nicht so geeignet zur Arbeit als Tantramasseurin sein?
Das kann nicht
generalisiert werden und ist individuell unterschiedlich. Oft sind sehr junge
Frauen in ihrer Weiblichkeit und in ihrer sexuellen Autorität noch zu wenig
gefestigt. Die Jugend ist eine Lebensphase, in der die Weiblichkeit reifen darf,
in der Frauen ihre Erfahrungen machen, in der Liebesglück und Liebeskummer
oft nah beieinander liegen und in der sie ihr Verhältnis zum Mann in Ruhe
austesten können. Sie sollten sich diese Zeit nehmen.
In der Massage
entsteht ein sexueller Raum, den die Frau souverän beherrschen und halten
können muss. Es gibt wenige Frauen mit 20 Jahren oder jünger, die dies
gelassen und genüsslich können.
Trotzdem können
junge Frauen die Ausbildung machen und sich darin austesten, ob sie diese Tätigkeit
auch professionell ausüben wollen. Dann wäre es auf jeden Fall wichtig,
in einem Frauenteam gut aufgehoben zu sein und nicht allein zu arbeiten.
Frauen ab
45 Jahre können durchaus sehr gut massieren. Sie sind in der Lage, durch
ihre Reife Mitgefühl, Geborgenheit und eine besondere Intimität in
die Massage zu bringen. Oft haben sie Ausbildungen und Erfahrung mit Massage,
die sie in besonderer Weise zu dieser Arbeit befähigt. Sie haben gelernt,
mit der sexuellen Energie umzugehen und diese bewusst zu einzusetzen.
Selbstverständlich
dürfen auch ältere Frauen an der Ausbildung im Zinnober teilnehmen.
Wenn eine
Frau im reifen Alter mit dem Beruf Tantramasseurin beginnen will, sollte sie
sich selbst Rechenschaft darüber geben, aus welchen Motiven sie diese Arbeit
machen will. Möchte sie noch teilnehmen am Spiel von Eros und Begehren?
Wie lange will und kann sie diese Arbeit machen? Welches sind ihre speziellen
gesellschaftlichen Aufgaben als Frau in der „Schwarzen Phase“? Möchte
sie etwas Verpasstes nachholen, oder möchte sie sich aus ihrer reifen Fülle
heraus in Großzügigkeit verschenken? Dies alles wird letztendlich
entscheiden, ob sie diese Arbeit mit Freude und Lust ausüben wird.
4. Warum ist die Masseurin während der Massage
nackt?
Wir tragen weder
distanzierende Kleidung noch aufreizende Dessous. Nacktheit ist Mensch-Sein in
seiner Ursprünglichkeit. Wir folgen der tantrischen Tradition, nach der
sich Mann und Frau, als Repräsentation von „Shiva und Shakti“,
ebenbürtig und ohne schützende Hüllen begegnen.
Wenn das Nackt-Sein befreit ist von Scham oder Pornographie, wird es bei einer
ganzheitlichen Massage als selbstverständlich und natürlich erlebt.
Auch das gehört zur Aufgabe der Masseurin, den Gast mit Natürlichkeit
und ohne Koketterie durch die Massage zu führen.
Dazu kommt, dass in der Massage die körperliche Nähe bewusst gestaltet
wird. Da wäre Kleidung distanzierend und hinderlich.
5. Wäre es nicht eher im tantrischen Sinn,
wenn der Massagekunde auf Orgasmus und Ejakulation verzichtet?
Zu Orgasmus und
Ejakulation gilt grundsätzlich:
· auch Frauen können beim Orgasmus ejakulieren
· Männer können auch ohne Ejakulation zum Orgasmus kommen
· Männer und Frauen können vielfältige und mehrfache Orgasmen
erleben
· Ein Orgasmus kann die Tür zu veränderten Bewusstseinszuständen
öffnen
Im Tantra gibt
es kein übergeordnetes Gedankengebäude, das über richtig oder
falsch urteilt. Es ist ein spiritueller Weg, der die sexuelle Energie als zentrale
Lebenskraft anerkennt. Daraus haben sich unterschiedliche Richtungen entwickelt.
Einige Schulen streben den Orgasmus ohne Ejakulation an. Andere wiederum lehnen
Orgasmus ab, egal ob mit oder ohne Ejakulation. Sie streben eine Art Ekstase
in Entspannung an. Das bedeutet aber nicht, dass der Orgasmus verboten ist, sondern
dass die Lernenden einen neuen Weg unabhängig vom alten lernen.
Allerdings hat die gekonnte Ejakulationskontrolle mehr mit bewusstem Atem und
nichts mit einem "Abklemmen" der Ejakulation kurz vor dem Orgasmus
zu tun. Das ist eher schädlich und unterdrückt das Fliessen der Energie.
Da die Menschen, die Tantramassage in Anspruch nehmen, in überwiegender
Mehrzahl weder einen tantrischen Hintergrund haben, noch diesen Weg als spirituelle
Schule gehen wollen, ist ein aufgezwungener Verzicht auf Ejakulation in der Tantramassage
nicht vorgesehen.
Die Tantramassage kann aber Inspiration und Erfahrung vermitteln,
den Samenerguss zu verzögern, und dadurch neue Räume des Genusses und
der Selbstwahrnehmung kennen zu lernen. Das Wichtigste dabei ist, sich Zeit zu
nehmen und in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Akzeptanz zu sein.
Die direkte Fokussierung auf das Ziel des genitalen Orgasmus begrenzt die sexuellen
Möglichkeiten des Menschen. Wenn er sich erlaubt, sich auszudehnen und sich
Zeit zu nehmen, erweitert er seine Genussfähigkeit.
Dies ist die Absicht der Tantramassage in Bezug auf den Orgasmus.
6. Was ist der Unterschied zu Prostitution?
Prostitution ist
eine gewerbsmäßige Dienstleistung, die auf die Befriedigung sexueller
Bedürfnisse ihrer Kundschaft abzielt. Der Körper (meist der weibliche,
aber auch der männliche) wird als Objekt für sexuelle Projektionen
und als Möglichkeit zu deren Erfüllung zur Verfügung gestellt.
Dabei geht
es in der Prostitution darum, die sexuelle Energie hoch zu puschen und möglichst
schnell zu entladen. Das macht oft nicht satt und braucht dann immer stärkere
Reize. Die Einlösung der Phantasie und das Rollenspiel der / Prostituierten
sind dabei wichtige Elemente.
Der Kunde
hat ein sexuelles Bedürfnis und verhandelt dies mit der Prostituierten.
Bei der Tantramassage,
wie wir sie lehren, geht es nicht um die Einlösung der sexuellen Bedürfnisse
und Vorstellungen des Kunden. Stattdessen steht das ganzheitliche Wohlbefinden
und ein entstresster Zustand des Klienten, bzw. der Klientin im Mittelpunkt.
Die sexuellen
Bedürfnisse der Massagegäste sind weder thematisiert noch verhandelbar.
Die Tantramasseurin
stellt nicht ihren Körper zur sexuellen Befriedigung des Klienten zur Verfügung,
spielt nichts vor, sondern bleibt in ihrer Integrität.
Es geht in
der Tantramassage nicht darum, die sexuelle Energie aufzuladen und schnell verpuffen
zu lassen, sondern sie zu lenken, ggf. zu kühlen und so damit umzugehen,
dass sie sich mit dem Herzen verbinden kann.
Das sexuelle
Empfinden der Masseurin ist für die Massage nicht relevant.
Dadurch sind wir in der Lage einen authentischen Kontakt herzustellen, der den
Klienten wirklich nähren und ihn mit tiefer Zufriedenheit entlassen kann.
7. Wie viel kann man als Tantramasseurin verdienen?
In der Regel arbeitet frau sowohl in einem Institut als auch in eigener Praxis als Selbständig Erwerbende. Insofern können darüber keine Angaben gemacht werden. Wie überall gibt es gute und weniger gute Tage. Normalerweise ist durch die Erfahrung und Marktpräsenz größerer Institute eher ein größerer Umsatz möglich.
Manche Frauen meinen, in eigener Praxis könnten sie mehr verdienen weil die Abgaben an das Institut wegfielen. Dies kann sein, ist aber unwahrscheinlich wenn die Anfangsinvestitionen und die laufenden Kosten realistisch gesehen werden. Es ist zudem mit Kosten und Energie verbunden, die dauernde Präsenz zu halten.
8. Akzeptieren die Gäste in der Regel die Grenzen der Massage?
Grundsätzlich klärt sich durch den Aussen-Auftritt eines Instituts und durch das Telefonat bei der Terminvereinbarung bereits, welche Kunden sich von dem Angebot einer seriösen Tantramassage angezogen fühlen. Normalerweise kommen gut informierte und sehr respektvolle Gäste. Respekt ist etwas, das wir geben und auch erwarten dürfen.
In der Praxis zeigt
sich vor allem am Anfang, wie wichtig es ist, mit Kolleginnen zusammen zu arbeiten,
mit denen man sich über die Erfahrungen in der Massage austauschen kann.
Was lief gut? Was ist nicht so gut gelaufen? Wie gehe ich um mit der sexuellen
Energie des Massagegastes? Wie gehe ich um mit meiner eigenen sexuellen Energie?
Wie kann ich eine sinnlich-weibliche Autorität entwickeln?
Das sind Fragen, die ein Vertrauen unter Frauen brauchen, um in die Arbeit als
Tantramasseurin hinein zu wachsen.